KI-Tsunami bricht über Kinder herein
Die große Herausforderung: Dass das eigene Arbeiten und Üben nicht verlernt wird
KI und KA – „Künstliche Intelligenz“ und „Keine Ahnung“ liegen nah beisammen. Gerade an den Schulen. Schüler haben einerseits beste Hausarbeiten und Hausaufgaben, doch die mündliche Nachfrage enthüllt, dass sie selbst nichts wissen. Stattdessen haben sie KI für sich arbeiten lassen. Ein sehr problematisches Spannungsfeld, wie der Direktor der Konrad-Adenauer-Realschule Roding, Alexander Peintinger, im Gespräch erkennen lässt.
Grundsätzlich gilt: Die Realschule nutzt Künstliche Intelligenz als zusätzliches Werkzeug im Unterricht, um Lehrkräfte zu unterstützen und Kinder individuell zu fördern. Alle Schritte, so wird versichert, erfolgen begleitet, sicher und transparent.
Tatsache sei, so Alexander Peintinger, dass die Entwicklung derart schnell davongaloppiere, dass man nicht Schritt halten könne. Zum Teil entwickle sich der Einsatz von KI bei den Kindern kontraproduktiv, sie verlernen das eigene Denken und Problemlösen.
Nicht nur die Schule, gerade auch die Eltern und die Gesellschaft müssten daher aufmerksam sein und regulierend einwirken. „Ein riesiger Tsunami rollt auf uns zu, wir sind nicht vorbereitet“, alarmiert Peintinger. Um im Bild zu bleiben: Da helfe es nicht, nur ein guter Schwimmer zu sein, man müsse Rettungsschwimmer sein.
Man hinke hinterher, auch was die Rechtssicherheit betrifft. Ein Beispiel: Die Lehrprobe ist geschrieben, Rechtschreibung, Satzbau und Grammatik überprüft nun die KI. Dann wird das Resultat nochmals final vom Referendar durchgearbeitet und überschrieben. „Ist das zu kennzeichnen?“, fragt der Direktor.
Zurück zu den Kindern: Ihnen müsse als Nutzern klar sein, dass die Verwendung von Künstlicher Intelligenz auch in einem ethisch-moralischen Kontext gesehen werden muss. KI-Kompass, Medienführerschein, Schulungen, Thematisierung im IT-Unterricht, Altersgrenzen, wie in anderen Ländern – all das sind Schlagworte im Umgang mit KI und ihren Folgen. Schüler müssten zu mündigen digitalen Mitbürgern entwickelt werden.
Es sollte bewusst werden, dass man seine Hausaufgaben selber machen muss, eigenständig arbeiten, sich um Lösungen bemühen und üben soll. „Eine Stunde kein Handy oder Tablet und dann Hausaufgaben machen“, rät der Direktor.
Die echte mündliche Leistungsabfragung gewinne zunehmend an Bedeutung und Wert. „Der Dialog ist es“, unterstreicht der Direktor. Und: „Analoges Arbeiten, face to face, wird wichtiger denn je.“
Peintinger vergleicht den rechten Einsatz von Künstlicher Intelligenz mit dem Nachschlagen im Brockhaus-Lexikon von früher. Das erleichtere die Arbeit bei den Recherchen, hinterher dürfe man aber nicht das eigene Denken und Arbeiten aus der Hand geben.
Was ist mit jenen Kindern, die allein daheim sind, weil die Eltern arbeiten, oder jene, die Ganztagsbetreuung haben, welche nicht selten unter Personalmangel leidet? – Auch in diesem Umfeld seien dem Missbrauch der KI Tür und Tor geöffnet.
Als wichtig erachtet der Schulleiter folgende Punkte und wendet sich damit eindringlich an die Eltern:
„Besprechen Sie mit dem Kind, wofür KI genutzt wird. Legen Sie klare Regeln für Nutzung, Zeit und Vertrauenswürdigkeit fest. Achten Sie auf Datenschutz und geben Sie auch keine persönlichen Daten in die KI ein. Melden Sie Probleme oder Beobachtungen an die Schule. Und kommen Sie zu den Elternabenden an die Schule.“
(Chamer Zeitung vom 05.03.2026)


















